Der deutsche Autohersteller Volkswagen muss im Skandal um manipulierte Abgaswerte nicht nur mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, es drohen auch milliardenschwere Bußgelder. VW Chef Martin Winterkorn bleibt zunächst trotz des Skandals im Amt.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn tritt wegen der Manipulationsvorwürfe bei den Abgaswerten von Diesel-Fahrzeugen zunächst nicht zurück. Stattdessen bat er in einer Video-Botschaft um Entschuldigung und kündigte eine Aufklärung der Vorwürfe an.

Verstoß gegen „Clean Air Act“

Doch die Vorwürfe gegen VW wiegen schwer: Mit einer speziellen Software, einem sogenannten „Defeat Device“ soll das Unternehmen Emissionstest gefälscht haben. Dabei ging VW keineswegs zimperlich vor: Die VW Techniker hätten Software an in den USA verkauften Autos so manipuliert, dass sie bei Kontrollen einen bis zu vierzigfach niedrigeren Abgaswert aufwiesen als im Alltagsbetrieb.

Dies würde einen erheblichen Verstoß gegen das amerikanische Klimaschutzgesetz „Clean Air Act“ darstellen, welches die als rigoros geltende Umweltschutzbehörde EPA mit allen Mitteln verteidigt. Volkswagen droht eine Strafzahlung von bis zu 18 Mio. Dollar (16 Mio. Euro).

VW Aktie massiv eingebrochen

Seit vergangenen Freitag 18:00 Uhr sieht sich der Konzern den schwerwiegenden Vorwürfen aus Nordamerika gegenüber. Seitdem befindet sich die Aktie des Unternehmens im freien Fall. Die Aktionäre haben sofort reagiert. Der Börsenwert des Unternehmens sank teilweise um mehr als ein Fünftel.
Zum EPA-Bußgeld kommen für VW die Gefahr von Zivil- und Sammelklagen, beispielsweise durch wütende Kunden, und mögliche Strafen der US-Justiz.

Weitere Hiobsbotschaften

Am Dienstag schockierte Volkswagen dann mit zwei weiteren Hiobsbotschaften.

Die Erste: Der erfolgsverwöhnte Konzern mit 200 Milliarden Euro Jahresumsatz gab eine Gewinnwarnung heraus. Der Skandal wird sich schon in diesen Monaten auf das Finanzergebnis der Wolfsburger auswirken, deshalb werden im dritten Quartal rund 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Das, was VW jetzt schon für die Folgekosten seiner Affäre einkalkuliert, ist mehr als die Hälfte des Gewinns, den VW im vergangenen Jahr erzielte. Und Analysten zweifeln jetzt schon daran, dass das angesichts laufender Ermittlungen und einer drohenden Vielzahl von Klagen ausreichen wird.

Die zweite Botschaft: Die Software, mit der Abgaswerte manipuliert wurden, wurde in elf Millionen Fahrzeugen eingebaut – und zwar weltweit. Bisher war die Rede von 500 000 Autos – und nur in den USA. Überall – in Italien, in Frankreich, Südkorea und Australien – schaut man sich die Dieselfahrzeuge nun genauer an.

Das heißt: Der Skandal hat wohl noch weitaus größere Ausmaße als bisher angenommen. So groß, dass am Dienstagnachmittag Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt entscheidet, eine eigene Untersuchungskommission einzusetzen und nach Wolfsburg zu schicken.


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